Ohne Planbarkeit keine Investition
FLUR: Ohne diese Planbarkeit wäre die Investition also nicht gekommen?
Hendrik Hesseler: Nein. Dann hätten wir gesagt: Lass mal alles so, wie es ist. Aber man muss natürlich auch ein bisschen Lust drauf haben und mutig sein, sonst funktioniert das nicht.
Tierhaltung in der öffentlichen Wahrnehmung
Die kritische Berichterstattung hat den Blick auf die Schweinehaltung verändert.
FLUR: Wie hat sich der Blick der Öffentlichkeit auf die Tierhaltung verändert, und wie spüren Sie das im Alltag?
Hendrik Hesseler: In Bezug auf die Tierhaltung und insbesondere auf die Schweinehaltung hatten wir in den letzten Jahren eine sehr kritische Berichterstattung. Ich glaube, ohne diesen Druck gäbe es die Haltungsform 3 so vielleicht gar nicht. Ich habe das Gefühl, es wird inzwischen etwas sachlicher, aber der Verbraucher kann viele Bilder aus dem Stallalltag auch einfach nicht richtig einordnen. Ein Beispiel: Wenn eine Ohrmarke ein bisschen einwächst, wird das gefilmt und groß gemacht. Für jemanden, der nicht tagtäglich damit zu tun hat, sieht das schlimm aus, obwohl es oft gar nicht so ist. Wir müssen uns gerade gegenüber günstigeren ausländischen Erzeugern über das Tierwohl abgrenzen.
FLUR: Sie erwähnen die Konkurrenz aus dem Ausland. Wie schätzen Sie die aktuelle wirtschaftliche Lage und die Rolle des Handels ein?
Hendrik Hesseler: Momentan ist die Situation schwierig. Die Marktpreise sind teilweise katastrophal – wir sprechen von einem Verlustgeschäft, wenn man die gestiegenen Kosten für Energie, Löhne und Transport einrechnet. Auch die Exportabhängigkeit, zum Beispiel von China, ist ein Risiko. Wenn dort Importe wegen der Afrikanischen Schweinepest zurückgefahren werden, trifft uns das direkt. Zum Lebensmitteleinzelhandel ist es zwiegespalten: Einerseits treiben sie den Wandel an, indem sie bis 2028 nur noch Frischfleisch aus HF3 oder HF4 vermarkten wollen. Andererseits gibt es viele Schlupflöcher und Verträge werden manchmal knall auf fall gekündigt. Wir müssen mit dem Handel zusammenarbeiten, aber wir müssen auch davon leben können.