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„Entweder man packt selbst an oder andere machen es.“

BBWind, 13.08.2026

Viele landwirtschaftliche Betriebe verfügen über Flächen, die ideal für die Nutzung von Windkraft geeignet sind. In Harsewinkel haben die Landwirte Klaus Strotmann und Stefan Tiggemann dieses Potenzial erkannt und die Betreibergesellschaft „Bürgerwind Greffen“ gegründet. Wie sie ihr Ziel erreicht haben, welche Hürden sie überwinden mussten und welche Partner ihnen dabei geholfen haben, berichten sie im Interview gemeinsam mit Michael Schulz von der BBWind sowie Jan-Frederik Hoppe und Frank Hartmann von der Volksbank im Münsterland.

Plan
v. l. n. r.: Jan-Frederik Hoppe, Frank Hartmann, Stefan Tiggemann, Klaus Strotmann, Bürgerwind Greffen, Michael Schulz
v. l. n. r.: Jan-Frederik Hoppe, Frank Hartmann, Stefan Tiggemann, Klaus Strotmann, Bürgerwind Greffen, Michael Schulz

Interview: BBWind – der Partner für „Bäuerlichen Bürgerwind“

FLUR: Herr Strotmann und Herr Tiggemann, Ihr Projekt heißt „Bürgerwindpark“ und setzt auf regionale Verankerung. Was bedeutet das konkret?

Klaus Strotmann: Dass die Wertschöpfung im Ort und in den umliegenden Gemeinden bleibt. Wir haben regionale Subunternehmer eingebunden und regional finanziert.

Michael Schulz (BBWind): Es bedeutet, dass Grundstückseigentümer und Anwohner in einer Betreibergesellschaft die Anlagen errichten und betreiben sowie die Entscheidungen vor Ort getroffen werden. Zusätzlich ermöglicht die Bürgerwind Greffen über die Crowdinvestment-Plattform der Volksbank VR-Crowd.de der breiten Bürgerschaft eine Beteiligung. Damit gehen wir deutlich über die Mindestmaßstäbe des Bürgerenergiegesetzes NRW hinaus und machen die regionale Gemeinschaft zu echten Mitgestaltern.

FLUR: Der Weg bis zur Genehmigung dauerte über ein Jahrzehnt. Warum war der Prozess so langwierig?

Michael Schulz: Wir hatten es mit einem veralteten 13. Flächennutzungsplan aus dem Jahr 2002 zu tun, der einen nicht mehr haltbaren Höhendeckel von 140 Metern und keinen substanziellen Raum vorsah. Das hätte faktisch jede moderne und somit wirtschaftlich darstellbare Anlage ausgeschlossen. Wir mussten dagegen klagen, um die Bauleitplanung überhaupt erst zu öffnen. Die rechtliche Auseinandersetzung zog sich lange hin: Im September 2019 reichten wir Klage gegen die Ablehnung des Vorbescheidsantrags ein, bis das Berufungsverfahren schließlich im Mai 2021 final abgeschlossen war.

Stefan Tiggemann: Man muss in solchen Phasen die Nerven behalten. Man wartet auf Behörden, auf Gerichte, auf Gutachten. Dass wir heute hier stehen, liegt auch daran, dass wir das Projekt nicht aufgegeben haben, als es zwischenzeitlich stillstand. Aber genau hier zeigt sich der Wert eines starken Partners: Ohne die fachliche Expertise der BBWind hätten wir das rechtlich und organisatorisch niemals allein gestemmt. Besonders wichtig war hierbei die Rolle der BBWind-Tochterfirma Wind2B, die in der risikoreichen Phase das notwendige Startkapital einbrachte und die Projektentwicklung vorantrieb, bis die Genehmigung gesichert war und das Projekt wieder an uns zurückübertragen werden konnte.

FLUR: Viele Landwirte verpachten ihre Flächen einfach. Sie haben sich dagegen entschieden und sind selbst Geschäftsführer des Windparks geworden. Warum?

Stefan Tiggemann: Eine reine Verpachtung war mir zu einfach. Man gibt die Kontrolle komplett ab. Ich wollte Einfluss behalten und aktiv mitgestalten. Entweder man packt selbst an oder andere machen es. Zudem ist das ein wichtiger Gedanke für die Zukunft des Hofes: Durch den Windpark schaffen wir eine nachhaltige finanzielle Absicherung, die es uns ermöglicht, auch an die nächste Generation zu denken.

Michael Schulz: Wirtschaftlich ist das „Selbermachen“ viel attraktiver als das reine Verpachten. Durch die eigene Betreibergesellschaft können die Landwirte die Pacht selbst steuern und profitieren direkt von der Wertschöpfung. Besonders relevant ist das vor dem Hintergrund aktueller Referentenentwürfe zum EEG, die eine Begrenzung der Pachtzahlungen vorsehen könnten. Wer selbst betreibt, ist von solchen regulatorischen Eingriffen weitgehend unabhängig. Gerade in Zeiten schwankender Agrarpreise ist die Windenergie so eine echte, tragfähige Erwerbsquelle, die den eigenen Hof stützt. Wir entwickeln Bürgerwindprojekte seit je her nach dem Motto „nicht verpachten, selber machen“ gemeinsam mit Landwirten und Flächeneigentümern.

Landlaschaft
Landlaschaft

FLUR: Windkraft ist oft ein emotionales Thema. Wie sind Sie mit kritischen Stimmen in der Nachbarschaft umgegangen?

Stefan Tiggemann: Wir hatten einen sehr guten Draht zur Kommune und zu den meisten Nachbarn. Bei den wenigen Kritikern haben wir das persönliche Gespräch gesucht.

Michael Schulz: Wichtig ist es, Ängste ernst zu nehmen und mit Fakten zu antworten. Die Ängste entstehen zumeist durch Unwissenheit oder Unsicherheit. Transparente Kommunikation ist alles. Wenn Betroffene zu Beteiligten werden, sei es finanziell oder durch Mitsprache bei Entscheidungen, steigert dies die Akzeptanz. Ein starkes Argument ist außerdem der direkte Nutzen für die Gemeinde: Neben der Gewerbesteuer, die durch den lokalen Sitz der Gesellschaft im Ort bleibt, fließt über die Windabgabe direkt Geld an die Kommune – auch das fördert massiv die Akzeptanz

FLUR: Ein solches Projekt ist finanziell hoch komplex. Wo kam die Volksbank im Münsterland ins Spiel?

Jan-Frederik Hoppe (VBML): Wir begleiten solche Projekte als Co-Berater von Anfang an. Eine Windparkfinanzierung ist kein Produkt von der Stange, sondern muss maßgeschneidert sein. Wir strukturieren das Verhältnis von Eigen- und Fremdkapital, prüfen die Wirtschaftlichkeit und bringen Instrumente wie Zinsabsicherungen oder Fördermittel der NRW.Bank ein.

Frank Hartmann (VBML): Wir sehen uns als Ideengeber und Finanzierungsratgeber. In diesem Projekt waren wir Konsortialführer zusammen mit der Sparkasse. Dass wir als regionale Bank so große Projekte stemmen können, ist für viele Kunden oft eine Überraschung, aber genau das ist unser Anspruch: Wir bieten bodenständige Kompetenz für komplexe unternehmerische Vorhaben. Hier zeigt sich auch, wie wichtig Vertrauen in der Zusammenarbeit ist. Wir hatten eine Phase, in der kurz vor der Finanzierungszusage eine beteiligte Genossenschaft plötzlich zurückruderte. Das war eine extrem kritische Situation. Aber weil die Kommunikation zwischen uns, der BBWind und den Geschäftsführern transparent und ehrlich war, konnten wir uns in einem gemeinsamen Videocall-Marathon innerhalb kürzester Zeit auf eine Lösung einigen und das Projekt retten.

FLUR: Welchen Rat haben Sie für andere Landwirte, die über Windenergie nachdenken?

Klaus Strotmann: Man darf den Aufwand nicht unterschätzen! So etwas ist kein Nebenprojekt, sondern ein eigenständiges Unternehmen, das viel Zeit und Einsatz kostet. Das ist ein Fulltime-Job, der eine gute Organisation und Absprache erfordert.

Stefan Tiggemann: Man braucht professionelle Partner. Denn man kann in der Landwirtschaft nicht in jedem Bereich Profi sein. Ein versierter Dienstleister und eine Bank, die das Geschäft versteht, sind essenziell, um die Fallstricke eines solchen Projekts zu vermeiden. Ein gutes Beispiel dafür ist der Zuschlagsprozess: Die BBWind hat uns hier strategisch beim Gebotswert beraten. Hätten wir nach unserem ursprünglichen Bauchgefühl geboten, hätten wir den Zuschlag vermutlich nie erhalten.

Infografik mit den wichtigsten Daten des Windparks.

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