Interview: BBWind – der Partner für „Bäuerlichen Bürgerwind“
FLUR: Herr Strotmann und Herr Tiggemann, Ihr Projekt heißt „Bürgerwindpark“ und setzt auf regionale Verankerung. Was bedeutet das konkret?
Klaus Strotmann: Dass die Wertschöpfung im Ort und in den umliegenden Gemeinden bleibt. Wir haben regionale Subunternehmer eingebunden und regional finanziert.
Michael Schulz (BBWind): Es bedeutet, dass Grundstückseigentümer und Anwohner in einer Betreibergesellschaft die Anlagen errichten und betreiben sowie die Entscheidungen vor Ort getroffen werden. Zusätzlich ermöglicht die Bürgerwind Greffen über die Crowdinvestment-Plattform der Volksbank VR-Crowd.de der breiten Bürgerschaft eine Beteiligung. Damit gehen wir deutlich über die Mindestmaßstäbe des Bürgerenergiegesetzes NRW hinaus und machen die regionale Gemeinschaft zu echten Mitgestaltern.
FLUR: Der Weg bis zur Genehmigung dauerte über ein Jahrzehnt. Warum war der Prozess so langwierig?
Michael Schulz: Wir hatten es mit einem veralteten 13. Flächennutzungsplan aus dem Jahr 2002 zu tun, der einen nicht mehr haltbaren Höhendeckel von 140 Metern und keinen substanziellen Raum vorsah. Das hätte faktisch jede moderne und somit wirtschaftlich darstellbare Anlage ausgeschlossen. Wir mussten dagegen klagen, um die Bauleitplanung überhaupt erst zu öffnen. Die rechtliche Auseinandersetzung zog sich lange hin: Im September 2019 reichten wir Klage gegen die Ablehnung des Vorbescheidsantrags ein, bis das Berufungsverfahren schließlich im Mai 2021 final abgeschlossen war.
Stefan Tiggemann: Man muss in solchen Phasen die Nerven behalten. Man wartet auf Behörden, auf Gerichte, auf Gutachten. Dass wir heute hier stehen, liegt auch daran, dass wir das Projekt nicht aufgegeben haben, als es zwischenzeitlich stillstand. Aber genau hier zeigt sich der Wert eines starken Partners: Ohne die fachliche Expertise der BBWind hätten wir das rechtlich und organisatorisch niemals allein gestemmt. Besonders wichtig war hierbei die Rolle der BBWind-Tochterfirma Wind2B, die in der risikoreichen Phase das notwendige Startkapital einbrachte und die Projektentwicklung vorantrieb, bis die Genehmigung gesichert war und das Projekt wieder an uns zurückübertragen werden konnte.
FLUR: Viele Landwirte verpachten ihre Flächen einfach. Sie haben sich dagegen entschieden und sind selbst Geschäftsführer des Windparks geworden. Warum?
Stefan Tiggemann: Eine reine Verpachtung war mir zu einfach. Man gibt die Kontrolle komplett ab. Ich wollte Einfluss behalten und aktiv mitgestalten. Entweder man packt selbst an oder andere machen es. Zudem ist das ein wichtiger Gedanke für die Zukunft des Hofes: Durch den Windpark schaffen wir eine nachhaltige finanzielle Absicherung, die es uns ermöglicht, auch an die nächste Generation zu denken.
Michael Schulz: Wirtschaftlich ist das „Selbermachen“ viel attraktiver als das reine Verpachten. Durch die eigene Betreibergesellschaft können die Landwirte die Pacht selbst steuern und profitieren direkt von der Wertschöpfung. Besonders relevant ist das vor dem Hintergrund aktueller Referentenentwürfe zum EEG, die eine Begrenzung der Pachtzahlungen vorsehen könnten. Wer selbst betreibt, ist von solchen regulatorischen Eingriffen weitgehend unabhängig. Gerade in Zeiten schwankender Agrarpreise ist die Windenergie so eine echte, tragfähige Erwerbsquelle, die den eigenen Hof stützt. Wir entwickeln Bürgerwindprojekte seit je her nach dem Motto „nicht verpachten, selber machen“ gemeinsam mit Landwirten und Flächeneigentümern.