Auswirkungen auf Tiere, Arbeitsaufwand und Wirtschaftlichkeit
FLUR: Wie hat sich die Modernisierung auf Ihren Arbeitsalltag ausgewirkt?
Peter Mindrup: Man merkt deutlich, dass die Tiere entspannter sind und höhere Tageszunahmen erzielen. Ein entscheidender Faktor ist die Luft: Mehr Luft bedeutet weniger Atemwegsinfektionen. Im neuen Gebäude mussten wir bisher kein einziges Tier behandeln. Zudem ist der Arbeitsaufwand durch die automatische Entmistungsanlage trotz höherer Tierzahl geringer als zuvor. Der Schieber läuft automatisch, was uns viel Flexibilität gibt und zeitintensive Fahrten mit dem Radlader erspart.
Janina Mindrup: Wir haben außerdem vor zwei Jahren einen neuen Mischwagen angeschafft, da der alte für die höhere Tierzahl zu klein geworden war. Den alten Wagen haben wir an unseren anderen Hof-Standort gebracht. Früher wurde dort mit einer Futtermischschaufel pro Trog gefüttert, jetzt erfolgt die Fütterung über den Mischwagen mit automatischer Abladung, was den Alltag erheblich erleichtert.
FLUR: Wenn Sie jetzt zurückblicken: Hat sich die Investition so entwickelt, wie erhofft?
Peter Mindrup: Tatsächlich sogar besser. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Kammer war konservativer als die Realität. Die zusätzliche Mastleistung war nicht voll eingerechnet. Vor vier Wochen haben wir eine Gruppe Bullen verkauft und im Schnitt fast 3.000 Euro pro Tier erzielt – ein Preis, den wir früher so nicht erreicht hätten. Das liegt auch daran, dass die Tiere aufgrund der besseren Bedingungen ein bis zwei Monate früher aus dem Stall gehen können, weil sie bereits das Zielgewicht erreicht haben.
Hauke Matthies (R+V Versicherung): Solche Rückmeldungen sind wertvoll. Statische Planungen und Amortisationsrechnungen greifen oft zu kurz; man braucht eine dynamische Betrachtung. Wenn die Tageszunahmen steigen, ist das ein enormer Gewinn. Zudem wird hier die Wertschöpfung am Kalb massiv verbessert, da man nicht mehr auf externe Zukäufe angewiesen ist und die eigenen Tiere optimal nutzt.
Peter Mindrup: Früher lag der Preis für ein HF-Kalb bei etwa 150 Euro. Wenn man Besamungskosten und Trockenstehzeit gegenrechnet, blieb oft nur ein Nullsummenspiel, wenn man das Kalb abgab. Wir wollten das selbst besser machen, hatten aber schlicht den Platz nicht, da wir zuvor die Milchherde vergrößert hatten. Die neuen Gebäude haben dieses Problem gelöst.
Die Finanzierung des Stallbaus
FLUR: Investitionen wie diese können heute durch gestiegene Materialkosten ein großes Risiko darstellen. Wie haben Sie dieses Projekt abgesichert?
Peter Mindrup: Ja, besonders Stahl und Beton sind extrem teuer geworden. Wir mussten genau überlegen, ob wir das Projekt noch realisieren wollen, haben uns dann aber doch dafür entschieden. Dabei war es ein großer Pluspunkt, dass unser Berater von der Volksbank im Münsterland selbst aus der Branche kommt. Man muss dann nicht jedes Detail erklären. Er weiß, worauf es ankommt.
Janina Mindrup: Es ist einfach entspannter, wenn das Gegenüber Grundwissen über die Landwirtschaft hat und versteht, dass es in diesem Bereich Monate geben kann, in denen es finanziell knapp wird und man eine Überbrückung benötigt.
Martin Herbers, Volksbank im Münsterland: Die Investitionsvolumina sind heute gewaltig. Mein Antrieb war es, dieses Projekt so zu begleiten, dass eine deutlich höhere Wertschöpfung am Kalb gehoben wird. Wir haben die Finanzierung bewusst langfristig strukturiert und Optionen für Sondertilgungen eingebaut, um den Betrieb auch in schwächeren Marktphasen nicht zu eng zu schnüren. Zudem half eine AFP-Förderung, einen Teil der Baukosten abzufangen, die wir zwischenfinanziert haben. Das gesamte Vorhaben war sehr stimmig: zusätzliche Lagerflächen, bessere Mechanisierung und mehr Platz für die Tiere. Man merkt, dass Landwirtinnen und Landwirte heute erkennen, dass Tierwohl direkt mit besserer Gesundheit und höheren Tageszunahmen korreliert. Es freut mich, wenn Kundinnen und Kunden diesen Mut aufbringen und nach kurzer Zeit sehen, dass es sich gelohnt hat.