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„Man muss bereit sein, neue Wege zu gehen“

Hof Mindrup, 22.07.2026

Im Südosten Münsters, am nördlichen Rand von Wolbeck, liegt der Hof Mindrup. 2005 übernahm Peter Mindrup den Familienbetrieb von seinen Eltern. Er führt ihn seitdem gemeinsam mit seiner Frau Janina, die auf dem Hof zusätzlich ein umfangreiches Angebot im Bereich Bauernhof-Pädagogik aufgebaut hat. Zur Familie gehören vier Kinder zwischen sechs und 18 Jahren. Der Betrieb konzentriert sich auf Bullenmast und Milchvieh und setzt dabei auf zukunftsfähige Haltungsformen und konsequente Automatisierung. Im Gespräch mit der FLUR sowie Martin Herbers (Volksbank im Münsterland) und Hauke Matthies (R+V Versicherung) berichten Janina und Peter Mindrup über die Umbaumaßnahmen für die Haltungsstufe 3, die Rolle individueller Finanzberatung und die Vorteile einer besseren Work-Life-Balance im Agrarbetrieb.

Bullenstall

Interview Haltungsformen – Milchvieh & Bullenmast (Hof Mindrup)

v. l. n. r.: Haue Matthies, Peter Mindrup, Janina Mindrup und Martin Herbers
v. l. n. r.: Haue Matthies, Peter Mindrup, Janina Mindrup und Martin Herbers

Die Umstellung auf Haltungsstufe 3

FLUR: Sie haben Ihren Betrieb in den letzten Jahren massiv modernisiert, zuletzt mit dem neuen Bullenmaststall. Was war Ihre Motivation für die Umstellung auf Haltungsstufe 3?

Peter Mindrup: Wir wollten primär eine optimale Aufzuchtumgebung schaffen. Wir haben aktuell rund 200 Kühe im Bestand, 150 Mastbullen und weibliche Nachzucht nach Bedarf, sodass wir auf 450 Tiere insgesamt kommen. Aus der Erfahrung mit unseren Kühen wussten wir: Je offener die Ställe und je besser die Luftzirkulation, desto wohler fühlen sich die Tiere. Der HF3-Bonus war bei der Planung noch gar nicht existent – wir haben vorausschauend mehr Platz pro Tier vorgesehen, um für die nächsten zehn Jahre Ruhe zu haben.

Janina Mindrup: Wichtig war für uns auch die Erkenntnis, dass die Klauengesundheit durch Strohhaltung positiv beeinflusst wird.Das passt zu unserem Konzept, mit den Ressourcen auszukommen, die wir haben – und Stroh ist ein Produkt, das bei uns vorhanden ist. Wir wollten es daher gezielt nutzen.

Der Hof Mindrup:

  • rund 200 Kühe 
  • 200 Kühe
  • 150 Mastbullen
  • weibliche Nachzucht nach Bedarf
  • insgesamt 450 Tiere
  • neuer Bullenmaststall
  • Haltungsstufe 3
  • mehr Platz pro Tier
  • Strohhaltung
Kuh im Stall

Auswirkungen auf Tiere, Arbeitsaufwand und Wirtschaftlichkeit

FLUR: Wie hat sich die Modernisierung auf Ihren Arbeitsalltag ausgewirkt?

Peter Mindrup: Man merkt deutlich, dass die Tiere entspannter sind und höhere Tageszunahmen erzielen. Ein entscheidender Faktor ist die Luft: Mehr Luft bedeutet weniger Atemwegsinfektionen. Im neuen Gebäude mussten wir bisher kein einziges Tier behandeln. Zudem ist der Arbeitsaufwand durch die automatische Entmistungsanlage trotz höherer Tierzahl geringer als zuvor. Der Schieber läuft automatisch, was uns viel Flexibilität gibt und zeitintensive Fahrten mit dem Radlader erspart.

Janina Mindrup: Wir haben außerdem vor zwei Jahren einen neuen Mischwagen angeschafft, da der alte für die höhere Tierzahl zu klein geworden war. Den alten Wagen haben wir an unseren anderen Hof-Standort gebracht. Früher wurde dort mit einer Futtermischschaufel pro Trog gefüttert, jetzt erfolgt die Fütterung über den Mischwagen mit automatischer Abladung, was den Alltag erheblich erleichtert.

FLUR: Wenn Sie jetzt zurückblicken: Hat sich die Investition so entwickelt, wie erhofft?

Peter Mindrup: Tatsächlich sogar besser. Die Wirtschaftlichkeitsberechnung der Kammer war konservativer als die Realität. Die zusätzliche Mastleistung war nicht voll eingerechnet. Vor vier Wochen haben wir eine Gruppe Bullen verkauft und im Schnitt fast 3.000 Euro pro Tier erzielt – ein Preis, den wir früher so nicht erreicht hätten. Das liegt auch daran, dass die Tiere aufgrund der besseren Bedingungen ein bis zwei Monate früher aus dem Stall gehen können, weil sie bereits das Zielgewicht erreicht haben.

Hauke Matthies (R+V Versicherung): Solche Rückmeldungen sind wertvoll. Statische Planungen und Amortisationsrechnungen greifen oft zu kurz; man braucht eine dynamische Betrachtung. Wenn die Tageszunahmen steigen, ist das ein enormer Gewinn. Zudem wird hier die Wertschöpfung am Kalb massiv verbessert, da man nicht mehr auf externe Zukäufe angewiesen ist und die eigenen Tiere optimal nutzt.

Peter Mindrup: Früher lag der Preis für ein HF-Kalb bei etwa 150 Euro. Wenn man Besamungskosten und Trockenstehzeit gegenrechnet, blieb oft nur ein Nullsummenspiel, wenn man das Kalb abgab. Wir wollten das selbst besser machen, hatten aber schlicht den Platz nicht, da wir zuvor die Milchherde vergrößert hatten. Die neuen Gebäude haben dieses Problem gelöst.

Die Finanzierung des Stallbaus

FLUR: Investitionen wie diese können heute durch gestiegene Materialkosten ein großes Risiko darstellen. Wie haben Sie dieses Projekt abgesichert?

Peter Mindrup: Ja, besonders Stahl und Beton sind extrem teuer geworden. Wir mussten genau überlegen, ob wir das Projekt noch realisieren wollen, haben uns dann aber doch dafür entschieden. Dabei war es ein großer Pluspunkt, dass unser Berater von der Volksbank im Münsterland selbst aus der Branche kommt. Man muss dann nicht jedes Detail erklären. Er weiß, worauf es ankommt.

Janina Mindrup: Es ist einfach entspannter, wenn das Gegenüber Grundwissen über die Landwirtschaft hat und versteht, dass es in diesem Bereich Monate geben kann, in denen es finanziell knapp wird und man eine Überbrückung benötigt.

Martin Herbers, Volksbank im Münsterland: Die Investitionsvolumina sind heute gewaltig. Mein Antrieb war es, dieses Projekt so zu begleiten, dass eine deutlich höhere Wertschöpfung am Kalb gehoben wird. Wir haben die Finanzierung bewusst langfristig strukturiert und Optionen für Sondertilgungen eingebaut, um den Betrieb auch in schwächeren Marktphasen nicht zu eng zu schnüren. Zudem half eine AFP-Förderung, einen Teil der Baukosten abzufangen, die wir zwischenfinanziert haben. Das gesamte Vorhaben war sehr stimmig: zusätzliche Lagerflächen, bessere Mechanisierung und mehr Platz für die Tiere. Man merkt, dass Landwirtinnen und Landwirte heute erkennen, dass Tierwohl direkt mit besserer Gesundheit und höheren Tageszunahmen korreliert. Es freut mich, wenn Kundinnen und Kunden diesen Mut aufbringen und nach kurzer Zeit sehen, dass es sich gelohnt hat.

Bestandteile der Finanzierung

  • langfristig strukturierte Finanzierung
  • Optionen für Sondertilgungen
  • AFP-Förderung
  • Zwischenfinanzierung eines Teils der Baukosten

Versicherung und Absicherung des Projekts

FLUR: Wo setzt hier die Versicherung an? Ein Stallbau ist ja nicht nur eine Finanzierungsfrage, sondern auch eine Risikofrage.

Hauke Matthies, R+V Versicherung: Genau. Wir waren bereits in der Planungsphase beteiligt. Während des Baus sind Bauherren-Haftpflicht und Feuerrohbauversicherungen essenziell. Besonders wichtig ist die Tierversicherung: Hier muss man frühzeitig starten, damit die Tiere ab dem Zeitpunkt der Einstellung versichert sind. Für den Finanzierer ist das wichtig: Wer hohe Werte im Viehbestand hat, muss diese gegen Risiken wie Seuchen absichern. Bezüglich der Haltungsformen ist es bei der R+V so, dass die Stufen 1 bis 3 beitragsneutral sind. Ab Stufe 4 oder 5 ändern sich die Beiträge, da das Risiko für den Versicherer aufgrund einer höheren Wahrscheinlichkeit der Krankheitsübertragung steigt.

FLUR: Wie wichtig ist es, Finanzierung und Absicherung gemeinsam zu denken?

Martin Herbers: Für uns als Finanzierer ist das essenziell. Wer hohe Werte im Viehbestand hat – hier sprechen wir über einen sechsstelligen Betrag an Bürgungswerten –, muss diese gegen Risiken wie Seuchen absichern. Auch bei den Sachwerten: Im Falle eines Großschadens muss der Versicherer in die Lage versetzt werden, das Gebäude wiederherzustellen und auch den Ertragsausfall zu decken. Wenn ein Kunde dann unseren Partner R+V wählt, haben wir alles aus einer Hand, was die Prozesse vereinfacht.

 

Absicherung beim Stallbau

  • Bauherren-Haftpflicht
  • Feuerrohbauversicherung
  • Tierversicherung
  • Absicherung gegen Risiken wie Seuchen
  • Haltungsstufen 1 bis 3 sind bei der R+V beitragsneutral
  • ab Haltungsstufe 4 oder 5 ändern sich die Beiträge

Der nächste Schritt: Roboter-Melken

FLUR: Der nächste große Schritt ist bereits in Planung: die Umstellung auf Roboter-Melken. Was treibt Sie an, weiter zu investieren?

Janina Mindrup: Hier geht es primär um die Lebensqualität der Familie. Wir sind aktuell zu stark an feste Melkzeiten gebunden. Das schränkt die Flexibilität extrem ein, besonders bei Erntezeiten oder wenn jemand im Betrieb ausfällt. Ich möchte, dass wir als Familie wieder mehr Ruhe haben und Zeit mit unseren Kindern verbringen können.

Peter Mindrup: Der Roboter nimmt den Zeitdruck heraus. Zudem können wir Hochleistungs-Kühe öfter melken, was die Leistung steigern kann. Wir lernen aus der Bullenmast: Man muss bereit sein, neue Wege zu gehen.

 

Ratschläge für andere landwirtschaftliche Betriebe

FLUR: Was würden Sie anderen landwirtschaftlichen Betrieben raten, die ähnliche Veränderungen planen?

Peter Mindrup: Man sollte zuerst in der Familie eine gemeinsame Vision des Projekts haben. Dann muss man alle Beteiligten, also Bank, Architekten, Bauunternehmer und Versicherungen, ins Boot holen und mit ihnen sprechen. So sieht man die Dinge auch mal aus einer anderen Perspektive. Wenn man frühzeitig spricht, kann man auf alles rechtzeitig reagieren. Und manchmal muss man eine kleine Kurve machen, um ans Ziel zu kommen.

Janina Mindrup: Wir sind mit sehr viel Mut und Elan an die Sache rangegangen, und darauf bin ich stolz. Wir packen Dinge oft einfach an, probieren sie aus und wagen Neues. Dabei ergänzen wir uns gut und aus unserem Austausch ergibt sich viel Positives. Das ist entscheidend dafür, dass es bei uns so gut läuft.

FLUR: Neben den Ausbauten und Investitionen in neue Technik setzen Sie auch auf die soziale Komponente Ihres Betriebes. Sie engagieren sich in der Bauernhof-Erlebnis-Pädagogik. Warum ist Ihnen dieser Bereich so wichtig?

Janina Mindrup: Nachhaltigkeit beruht für uns nicht nur auf ökologischen Ressourcen, sondern auch auf dem Konzept, das wir verfolgen. Die Bauernhof-Pädagogik ist ein zentraler Teil unseres gesamten Hofkonzepts. Wir wollen Transparenz schaffen und den Menschen zeigen, wie moderne Landwirtschaft funktioniert. Wenn wir beispielsweise Transparenztage veranstalten, merken wir, wie wichtig dieser Austausch ist. Das ist für uns ein eigenständiges, wertvolles Standbein des Betriebes.

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